„Maßgeschneiderte Förderung“ auf jedes Kind abgestimmt
Die Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder mit seelischer Behinderung des Caritas-Zentrums St. Vinzenz feiert am 8. Mai ihr 50-jähriges Jubiläum. Darauf freuen sich Leiterin Walburga Schloderer und Gesamtleiter Heinz Liebhart. Foto: Caritas / Peter Esser
Die Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder mit seelischer Beeinträchtigung (HPT S) des Caritas-Zentrums St. Vinzenz in Ingolstadt feiert heuer ihr 50-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass findet am Freitag, 8. Mai von 14 bis 17 Uhr auf dem Gelände der Einrichtung in der Friedrich-Ebert-Straße 6 eine kleine Feier als "Eltern- und Kinderfest" statt. Eingeladen sind Menschen und Institutionen, die mit der Tagesstätte zusammenarbeiten. Die Kinder sollen Klinikclowns erfreuen. Auftreten wird "Die besondere Band", an der ein Mensch mit Behinderung mitwirkt. Zu sehen sein wird eine Fotoausstellung über die Arbeit der Einrichtung. Der Gesamtleiter von St. Vinzenz, Heinz Liebhart, und die Leiterin der Tagesstätte, Walburga Schloderer, werden kurze Ansprachen halten. Für Essen und Trinken ist ebenfalls gesorgt.
Im Mai 1976 eröffnet
Die HPT S wurde im Mai 1976 mit zwei Vorschulgruppen und einer Gruppe für Schulkinder eröffnet. Diese waren damals in einem Pfarrhaus untergebracht, das sich auf dem Gelände des heutigen Caritas-Zentrums St. Vinzenz in der Frühlingstraße 15 befand. Ende der Achtzigerjahre zog die Einrichtung in ein Haus in der Friedrich-Ebert-Straße um. Als dieses alt und baufällig war, wurde es aber abgerissen. 1994 zog die HPT S mit ihren seinerzeit gut 20 Kindern dann aus einem beengten Nachbargebäude, das als Übergangslösung genutzt wurde, in ein neues Haus und das bis heute.
Luftballonspiele fördern Bewegung und Konzentration.
Foto: Caritas / Valentin Nowak
In der Leitung hat es in den 50 Jahren mehrere Wechsel gegeben. Seit zweieinhalb Jahren hat diese Walburga Schloderer inne. Nach Ihrer Beobachtung "sind die Bedarfe in den letzten Jahren stets gestiegen und komplexer geworden". Habe man früher von "Entwicklungsverzögerungen" mit Einzelproblemen wie Konzentrations- oder Sprachschwierigkeiten gesprochen, kämen die Kinder heute häufig mit einem ganzen Bündel an vielschichtigen Problemen in die Einrichtung: "Neben Bindungsstörungen und Verhaltensproblemen machen ihnen oft auch Probleme der Eltern zu schaffen wie Ängste vor Kriegen und Arbeitslosigkeit oder Trennung und Scheidung. Wir haben auch mehrere Flüchtlingskinder, die zum Teil traumatisiert sind", erläutert die Leiterin.
Doch zu ihren positiven Erfahrungen gehört, "dass wir etwas bewirken können, wenn die Kinder früh zu uns kommen". Rund ein Drittel der Mädchen und Buben, die in den derzeit vier Vorschulgruppen mit jeweils acht Personen betreut werden, könne immerhin anschließend auf die Regelschule gehen, informiert Walburga Schloderer. Neben den Vorschulgruppen, die für Kinder von drei bis sechs Jahren täglich von 8.15 bis 16.00 Uhr da sind, gibt es auch eine Gruppe für - ebenfalls acht - Grundschüler von sechs bis zwölf Jahren, die von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet ist. Die Betreuung in den Vorschulgruppen wird vom Bezirk Oberbayern finanziert, jene in der Schulgruppe vom Jugendamt Ingolstadt.
"Insgesamt kümmern sich 18 Fachkräfte um 40 Kinder. In der Vorschulgruppe kommen rechnerisch 2,5 Mitarbeitende auf ein Kind, in der Schulgruppe sind es 1,8 Engagierte", informiert Heinz Liebhart. Zu den Beschäftigten im Gruppendienst gehören Erzieherinnen und Erzieher sowie Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger. Ferner gibt es einen übergreifenden Fachdienst von Psychologinnen und Psychologen sowie Heilpädagoginnen und -pädagogen. Hinzu kommen therapeutische Leistungen der Ergo- und Logopädie, welche die Krankenkassen finanzieren.
Individuelle Lernstrategien
Auf jedes Kind wird in der Tagesstätte individuell eingegangen. Foto: Caritas / Valentin Nowak
Um die Kinder bestmöglich zu fördern, verbinden die Fachkräfte der Einrichtung in der täglichen gemeinsamen Zeit mit ihnen heilpädagogische Methoden mit individuellen Lernstrategien. "Wir visualisieren unsere Tagesabläufe zum Beispiel mit Bildkarten", sagt Walburga Schloderer. Grundsätzlich biete man "eine maßgeschneiderte Förderung, die auf die speziellen Bedürfnisse und Stärken jedes Kindes abgestimmt ist. Dabei stärken wir das Selbstwertgefühl und die Motivation der uns anvertrauten Kinder." Konkret geschehe dies durch eine Mischung aus Lernzeit, kreativen Aktivitäten und Entspannungsphasen. "Elterngespräche finden etwa alle sechs Wochen statt", teilt die Leiterin einen weiteren Aspekt mit, der ihr wichtig ist.
"Wir haben eine lange Warteliste. Immer wieder wenden sich auch Kitas an uns mit der Frage, ob wir noch Plätze für Kinder haben, die dort nicht zurechtkommen", erklärt Walburga Schloderer. Doch zumindest derzeit verfüge die Einrichtung nicht über genügend Platz, um mehr Kinder aufnehmen zu können. "Wir hoffen, dass wir das vielleicht irgendwann noch können, wenn uns dafür finanzielle Mittel zur Verfügung stehen", äußert Liebhart einen Wunsch für die Zukunft der HPT S. Ein anderer ist, "dass die engmaschige Betreuung mit genügend Fachpersonal für die Kinder auch weiterhin so gegeben sein wird wie im Moment. Das ist ja aufgrund des Fachkräftemangels leider keine Selbstverständlichkeit", so der Leiter von St. Vinzenz.